Erdbeere Die Frucht, die eigentlich eine Rose ist (und ein kleiner Schwindler)
Wenn Sie dachten, die Erdbeere sei nur eine rote Beere unter dem Schlagobers, haben Sie sich geirrt. Die Erdbeere ist der „Rebell“ der Botanik, ein echter Gastro-Diplomat, der seit Jahrhunderten die königlichen Höfe und die Speisekarten der Sanatorien erobert.

Botanischer „Schwindel“ Beginnen wir mit einer schockierenden Tatsache: Botanisch gesehen ist die Erdbeere keine Beere. Während die Heidelbeere oder die Banane (ja, die Banane!) echte Beerenfrüchte sind, ist die Erdbeere eine sogenannte „Sammelnußfrucht“.
Was wir als fleischige, rote Frucht bezeichnen, ist in Wirklichkeit der fleischig gewordene Blütenboden. Die eigentlichen Früchte sind jene kleinen gelben Nüsschen auf der Oberfläche! Diese nennt man Achänen (achenes). Auf einer durchschnittlichen Erdbeere befinden sich ca. 200 dieser Mini-Früchte.
Die Erdbeere gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Deshalb kann man im Duft einer reifen Erdbeere oft das feine Aroma der Rose entdecken.
Die Geschichte der Erdbeere, von der Wildnis in die Gärten von Versailles, ist eine echte „Aschenputtel-Story“. Die Römer sammelten sie noch wild und nutzten sie eher als Medizin (gegen Fieber, Depressionen oder sogar gegen Mundgeruch).
Die moderne, großfrüchtige Erdbeere (Fragaria × ananassa) ist das Ergebnis einer zufälligen „botanischen Romanze“.
Im 18. Jahrhundert brachte ein französischer Spion (der ironischerweise Frézier hieß, was auf Französisch Erdbeer-Mann bedeutet) eine großfrüchtige Sorte aus Chile mit, die dann in Versailles auf die nordamerikanische Variante traf. Das Ergebnis? Jene süße, fleischige Erdbeere, die wir heute kennen.
Ernährungsphysiologie Die Erdbeere ist nicht nur Dekoration, sondern ein „Functional Food“.
Eine wahre Vitamin-Kanone, ein C-Vitamin-Champion:
Eine Portion Erdbeeren enthält mehr Vitamin C als eine Orange! Dies ist der Grundbaustein für das Immunsystem und die Kollagenproduktion (Hautverjüngung). Antioxidantien-Cocktail Sie ist voll von Anthocyanen (die ihr die Farbe geben) und Ellagsäure, diese Verbindungen bekämpfen Entzündungen.
Obwohl sie süß ist, ist ihr glykämischer Index niedrig, weshalb sie hervorragend in Diäten oder in den Speiseplan von Diabetikern passt.

Hildegard von Bingen, die große Gelehrte des Mittelalters, war erstaunlich streng mit der Erdbeere. Sie vertrat die Ansicht, dass die Erdbeere, da sie „nahe am Boden im faulenden Laub wächst“, unrein sei und zur „Verschleimung“ neige. Aus heutiger Sicht war dies wahrscheinlich ein Hinweis auf die Hygiene und die allergene Wirkung (Histamin). Der Histamingehalt ist mittlerweile wissenschaftlich belegt, und auch die Bodennähe ist eine Tatsache, weshalb auf eine gründliche Reinigung besonders geachtet werden muss.
Wissenswertes Es gibt eine echte Phobie, die Fragariaphobie, welche die Angst vor Erdbeeren beschreibt.
Bayern und die Elfen Nach bayerischer Tradition hängten die Bauern mit Erdbeeren gefüllte Körbchen an die Hörner des Viehs, um die Elfen zu beschenken, die im Gegenzug für gesunde Kälber und reichlich Milch sorgten.
Tennis
Wussten Sie, dass in Wimbledon während eines einzigen Turniers ca. 28.000 kg Erdbeeren verzehrt werden? Das ist das ultimative britische „Comfort Food“.
Aus den Tränen der Liebe geboren
Die Legende der Aphrodite Nach der griechischen und römischen Mythologie erschien die Erdbeere auf der Erde, als Aphrodite (Venus) vom Tod ihres Geliebten Adonis erfuhr. Die Göttin weinte untröstlich, und dort, wo ihre Tränen auf den Boden fielen, wuchsen herzförmige, rote Früchte. Deshalb wurde die Erdbeere zum Symbol für Liebe und Verlangen – und vielleicht wird sie deshalb auch heute noch gerne bei romantischen Abendessen serviert.

Die „Spion-Erdbeere“ und der Sonnenkönig Den französischen Spion (Amédée-François Frézier) schickte Ludwig XIV. im 18. Jahrhundert nach Chile, um die spanischen Befestigungen auszukundschaften. Er brachte jedoch nicht nur Karten mit nach Hause, sondern versteckte als leidenschaftlicher Botaniker auch einige Stöcke der chilenischen Erdbeere auf seinem Schiff. Als er zurückkehrte, fand der Sonnenkönig so großen Gefallen an der neuen, riesigen Frucht, dass er ihr in den Gärten von Versailles eine eigene Parzelle widmete. Praktisch verdanken wir unseren heutigen Nachtisch einer Geheimdienstaktion.
Das Erdbeersuppen-Bad der Madame Tallien Eine der berühmtesten Schönheiten der Zeit nach der Französischen Revolution, Madame Tallien, gab sich nicht damit zufrieden, Erdbeeren nur zu essen. Sie war legendär eitel und glaubte, dass ihre Haut nur dann strahlend jung bliebe, wenn sie in Erdbeersaft badete. Für eine solche Sitzung wurden angeblich 10-12 kg frische Erdbeeren zerdrückt.
Die Fruchtsäuren der Erdbeere sind tatsächlich hervorragende Peelings, aber wir bleiben doch lieber bei den kulinarischen Genüssen!
Christliche Symbolik
Der vollkommene Mensch In der mittelalterlichen Kunst (zum Beispiel auf den Gemälden von Hieronymus Bosch) war die Erdbeere das Symbol für Vollkommenheit und Sündlosigkeit. Da die Pflanze gleichzeitig blüht und Früchte trägt, wurde sie zum Symbol der „fruchtbaren Jungfräulichkeit“. Wenn man die Steinmetzarbeiten gotischer Kathedralen genau betrachtet, findet man oft Erdbeerblätter an den Kapitellen – die Steinmetze signalisierten damit die Reinheit der Seele.
Die schicksalhafte Doppel-Erdbeere Einem alten französischen Aberglauben nach werden sich zwei Menschen unweigerlich ineinander verlieben, wenn sie eine „Zwillings-Erdbeere“ (zwei zusammengewachsene Früchte) finden, diese teilen und gemeinsam essen. Vielleicht ist die Erdbeere deshalb ein wiederkehrendes Element in Menüs zum Valentinstag.
Warum „Straw-berry“?
Obwohl viele glauben, der Name käme vom Stroh (straw) (weil man Stroh unterlegte, um sie vor Schmutz zu schützen), glauben Sprachwissenschaftler, dass der Name vom altenglischen „strewn“ (gestreut) stammt. Die Pflanze „streut“ nämlich ihre Ausläufer über den Boden, um so den Garten zu erobern.
Ich habe damit begonnen, dass die Erdbeere nicht nur eine kleine rote Frucht unter dem Schlagobers ist. Es wäre tatsächlich schade, sie nur für Süßspeisen zu verwenden.

Aufgrund ihrer feinen Säure-Süße-Balance ist die Erdbeere auch ein hervorragender Begleiter für herzhafte Gerichte.
Ich habe Frankreich erwähnt, da bietet sich die Kombination an: eine reife Erdbeere und eine Portion Käse! Unverzichtbar, sei es frischer Frischkäse oder Brie, aber auch zu geräuchertem Käse passt sie hervorragend.
Erdbeeren harmonieren wunderbar mit etwas Balsamico-Essig, grünem Pfeffer oder Spargel.
Sogar mit Tomaten bildet sie ein großartiges Duo, nicht nur als Kontrast. Ich zeige Ihnen auch, wie
Hier lesen Sie meine neuesten Erdbeer-Rezepte!
